Die Trauer sucht sich neue Wege

Der Umgang mit Sterben und Tod war lange von Tabus geprägt. Erst seit einiger Zeit gibt es einen individuellen, emotionaleren und vor allem kreativeren Umgang mit diesen Themen: Maike Sander aus Stuttgart lässt sich von Trauerkulturen anderer Länder, wie beispielsweise dem mexikanischen Tag der Toten, inspirieren. Die Hamburgerin Ina Hattebier gestaltet Urnen aus kostbaren Papieren. Und Johanna Wilke schließlich hat sich zur Sterbeamme ausbilden lassen und bietet mit ihrer Trauerbox ein Erste-Hilfe-Angebot für trauernde Menschen an. Bilder-Download (Anmeldung beim Bilderbereich, bei Bildsuche "Trauer" eingeben) hier:

http://www.brauerpr-bilderservice.de/pixtacy/


Maike Sander: meinlebenlang

Girlanden, Blumen und Totenköpfe aus Zucker - In Mexiko wird am 2. November eines der wichtigsten Feste zelebriert: der Día de los Muertos, der Tag der Toten.

 

Aus allen Teilen des Landes kommen die Menschen zusammen, um gemeinsam die Verstorbenen zu ehren. Die Familien errichten festliche Altäre und dekorieren sie mit Erinnerungsstücken, Kerzen und bunt verzierten Zuckertotenköpfen. Die Gräber sind mit Blumen geschmückt und Skelette aus Pappmachée in allen Formen und Größen zeigen das fröhliche Treiben der feiernden Seelen.

Auch Maike Sander bietet ein Sortiment von mexikanischem Kunsthandwerk anlässlich des Tages der Toten, dessen Wurzeln im katholischen Allerseelen-Fest liegen. Ihrer Meinung nach muss diese feierliche Erinnerung jedoch nicht unbedingt an einen festen Tag gebunden sein, sondern kann ganz individuell und nach der jeweiligen persönlichen Situation begangen werden. Als ihr Mann 2002 tödlich verunglückte, begann Maike Sander sich mit den Themen Tod und Trauerarbeit auseinanderzusetzen. Sie stellte fest, dass es immer noch ein Tabu war, darüber zu reden und begann, Vorträge und Workshops in Schulen zu halten. Ungewöhnliche Perspektiven und der Blick auf die Trauerkultur anderer Länder sorgen für informative und spannende Aspekte und tragen dazu bei, sich ohne Furcht und Scheu mit den Fragen nach dem Tod und der Trauer zu beschäftigen

Produktinfos (von links nach rechts):

Mini-Kerzenhalter, 3,5 x 3,5 x 6,5 cm, Preis: 10,- EUR

Teelichter (Zuckerköpfe), ca 8 x 12 x 9 cm, Preis: 16,- EUR

Kerzenhalter mit Nixen, 10 x 11 x 9 cm, Preis: 20,- EUR

Skeletthunde aus Ton, 5 x 6 cm, Preis: 12,- EUR

Schmetterlingshotel, 17 x 14 x 20 cm, Preis: 17,- EUR *

Handgefertigte Christbaumkugeln mit Totenkopf-Motiven, ca. 5 cm, Preis: 8,- EUR

Kleiner Reisealtar, 3 x 13 cm, Preis: 7,- EUR. Enthält Rosenkranz, Heiligenbildchen, Gebetstexte

TShirt, verschiedene Größen und Motive, Preis: ab 14,- EUR

Skelett Trinker aus Blech, ca. 20 cm, Preis: 15,- EUR

Weitere Informationen (von links nach rechts):

Das Porträtfoto von Maike Sander stammt von Sari-An Masini, alle anderen Fotos sind von Maike Sander

Die Totenköpfe aus Zucker werden in Workshops hergestellt

Die aus Glas handgefertigten Christbaumkugeln mit Totenkopfmotiven liegen in einer Box

www.meinlebenlang.de

 

*Zum Schmetterlings-Hotel: Schmetterlinge galten schon früher als Symbole für die auferstandenen Seelen der Toten


Ina Hattebier: andere Urnen

Die Urnen von Ina Hattebier bestehen aus dem Holzstoff Lignin und werden in Handarbeit mit Papier bezogen. Vorher wurde das Papier in kleine Stücke zerrissen und anschließend auf die Form aufgebracht. Ina Hattebier verwendet am liebsten nepalesische und italienische Papiere. Die nepalesischen Papiere werden in Dörfern an den Hängen des Himalaya aus der Rinde des Lokta-Strauches in Handarbeit geschöpft und im Kathmandu-Tal bedruckt. Die italienischen Papiere stammen aus den Gegenden um Florenz und Venedig. „Eine Urne kann Zuneigung und Wertschätzung ausdrücken“, weiß Ina Hattebier. „Wenn wir sie für andere aussuchen, reflektieren wir ein Bild von dem geliebten Menschen. Die Beschäftigung mit der Frage, welche Farbe, Form, welches Muster der verstorbenen Person gefallen hätte, kann helfen, das Erlebte zu begreifen, eine Nähe zum Verstorbenen schaffen und tröstlich sein für die, die zurückbleiben.

Preise pro Urne: 410,- EUR

Zu den Fotos (von links nach rechts):

Linien auf Rot (Lokta-Papier aus Nepal), Mohnblumen (Carta Varese), Frühlingszweige (Lokta-Papier aus Nepal), Goldene Punkte (Lokta-Papier aus Nepal). Alle Fotos stammen von Ina Hattebier

 

Kreislauf des Lebens, Geburt der Tochter, Sterben der älteren Generation..... als Künstlerin und Dozentin an der Design Factory Hamburg hat sich Ina Hattebier schon immer für Prozesse von Veränderung interessiert und beginnt nun, dieses auch auf den Themenkomplex Sterben, Tod und Trauer auszuweiten. Sie unterstützt das Projekt eines Fotografenkollegen beim Hamburg Leuchtfeuer Hospiz und macht eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin. Dies und die Leidenschaft für das Material Papier bringt sie dazu, Urnen zu gestalten. Denn Papier steht wie kein anderes Material für den Kreislauf von Werden und Vergehen.

Zu den Fotos (von links nach rechts):

Loktapapiere und Bekleben der Urnen mit Papierstücken (beide Fotos von Ina Hattebier), Porträtfoto Ina Hattebier von

©Studio Thies Ibold

www.andere-urnen.de


Johanna Wilke: Trauer in Liebe

Johanna Wilke ist Sterbeamme und Bestatterin. Sie schreibt auf ihrem Blog www.trauer-in-liebe.de über die heilsame Gestaltung von Abschieden. Als eine Art Erste-Hilfe-Kasten hat sie für trauernde Angehörige die Trauerbox entwickelt. Sie enthält ein Buch, das Orientierung gibt und in dem Herausforderungen angesprochen, aber auch gleichzeitig Lösungsansätze und Rituale zum selber gestalten angeboten werden. Ebenfalls enthalten sind ein Aufstellkalender, der Sinnsprüche zur Ermutigung in der Zeit der Trauer beinhaltet, Begegnungsbriefe, ein Handschmeichler aus Olivenholz, Rescue-Bonbons, die beruhigend wirken, und eine Engelskerze, die Trost spendet. Preis: 65,- EUR

 

 „Die Antworten für den Umgang mit der eigenen Trauer liegen in jedem Menschen selbst verborgen. Die Trauerbox unterstützt dabei, der inneren Stimme zu vertrauen und sich in der eigenen Trauererfahrung treu zu bleiben!“ so Johanna Wilke über die Trauerbox. Die Trauer um einen geliebten Menschen ist etwas, auf das wir nicht vorbereitet sind und der Tod konfrontiert uns mit vielen Fragen. Was ist Trauer eigentlich und wie wichtig ist es, sie in das eigene Leben zu integrieren? Kann man richtig oder falsch trauern? Nach dem plötzlichen Tod des Vaters ihres Lebensgefährten Timm Wienberg begleitete Johanna Wilke ihn und seine Familie in den Tagen des Abschieds. So entstand die Idee für eine Trauerbox.

www.trauer-in-liebe.de